Lange sind wir schon auf der Suche nach einer App, welche den organisatorischen Lehreralltag mit Hausaufgaben, Verspätungen, Erinnerungen, Listen, Kursbüchern und Noten erleichtern kann. Dabei sollen einfache Bedienung, schlichtes Design, höchster Datenschutz und ausreichender Funktionsumfang die maßgeblichen Kriterien für unsere Empfehlung sein. Uns freut nun umso mehr, dass ausgerechnet das „Freizeitprojekt“ des Schulleiters einer kleinen niedersächsischen Schule die Konkurrenz aussticht.

Beim Suchen nach Stichworten oder im „Feature-Bereich“ stößt man schnell auf die Größen „TeacherTool“, „LehrerApp“ oder „Teacher2go“, welche uns persönlich aufgrund genannter Anforderungen in ihrer derzeitigen Form leider nicht überzeugten. Die generelle Schwäche des App Stores bei einer gezielten Recherche, seine über 2.000.000 Apps sinnvoll zu präsentieren, kam hier stets zu Tage und so verschwand auch „Meine Klassenmappe“ zunächst fast in den unendlichen Weiten von Apples Applikationen Sammlung.

Vor der Beschreibung des Funktionsumfanges muss erwähnt sein, dass auch diese App weder vollständig noch perfekt ist, aber diesen Anspruch stellt Programmierer Gunnar Sievert auch keinesfalls an sein Produkt, erklärt er doch in der Beschreibung: „Die Klassenmappe (v2) ist ein mobiler Helfer, entwickelt für die täglichen Klassengeschäfte einer Lehrkraft. Entwickelt wird diese App als Hobbyprojekt von einem Lehrer für Lehrer. […] Über meine Homepage können Sie sich mit Ihren Ideen und Wünschen bei der Weiterentwicklung des Programms beteiligen.“

„Meine Klassenmappe“ versucht bewusst nicht alle analogen Arbeiten zu digitalisieren, sondern strebt vielmehr eine hohe Prak­ti­ka­bi­li­tät im Schulalltag an und ist damit bestens geeignet für das schnelle Eintragen von Informationen via Mobiltelefon oder Tablet. Für den gleichzeitigen Verzicht auf die eine oder andere Funktion sind wir sogar dankbar, denn so bleibt die App schlicht im Design und wirkt im Gegensatz zu manchem Konkurrenten nicht überladen.

Zu Beginn müssen die zu unterrichtenden Klassen erstellt werden. Klassenlehrer, Schüler, Adressen und Stundenplan pflegt man per iPhone, iPad, Macintosh- oder Windowscomputer ein. Anschließend sind die Unterrichtszeiten der Schule und die eigenen Fächer einzutragen. Nun steht dem täglichen Einsatz der App im Schulalltag nichts mehr Wege. Fehlzeiten, Hausaufgaben oder Noten lassen sich am besten über den Sitzplan ergänzen und Erinnerungen, Checklisten sowie Notizen helfen alles Wichtige im Auge zu behalten. Der einfache Datenexport von fast allen Inhalten als pdf-Datei zum Drucker gefällt uns besonders gut, da so immer eine Druckvariante für die Klassenordner im Bücherregal zur Verfügung steht. Der Mangel eines Wochenkalenders bzw. vollständigen Lehrerstundenplans verwundert, passt aber ins schlichte Konzept und die informative Tagesansicht schärft den Blick auf das Wesentliche. Nach einer kleinen Umgewöhnung sehen wir hier keine Probleme mehr und in der Mac-Version ist diese Funktion ja auch vorhanden.

Bei Applikationen im Bildungswesen ist besonders der Schutz von sensiblen Schülerdaten wichtig. Offensichtlich beschäftigte sich Gunnar Sievert sehr intensiv mit der Thematik, nicht nur der Datenschutzhinweis in seiner Produktbeschreibung verdeutlicht dies. Die App kann mit einem Passwort vor unbefugten Zugriffen geschützt werden und gleichzeitig den Datenexport verschlüsseln. Dieser Prozess kann über iCloud Drive, Dropbox und Google Drive geschehen. Wir raten von der Nutzung dieser Services allerdings ab, da sie nicht der EU-Datenschutzrechtlinie unterliegen, die für die meisten staatlichen Schulen jedoch bindend ist. So ist es nur sinnig, dass die Daten nicht automatisch synchronisieren, sondern eine bewusste Benutzer-Aktivierung vorauszugehen hat. Die bessere Alternative ist auf jeden Fall die Nutzung von OwnCloud, ein eigener FTP-Server, der direkte Austausch über das eigene WLAN-Netz oder das Versenden der Klassendaten per deutschem Emailanbieter, bestenfalls sogar über die eigene offizielle Schulemailadresse.

„Meine Klassenmappe“ eignet sich auf dem iPhone hervorragend für das schnelle Eintragen zwischendurch, die ganze Stärke offenbart sich aufgrund der deutlich besseren Übersicht aber erst auf dem größeren Touchscreen des iPads. Trotz der klaren Struktur und der guten Bedienung braucht man als Benutzer eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man das volle Potential erkennen kann. Manchmal muss man erst verstehen, wann man von oben nach unten oder von links nach rechts streichen kann und wo gewissen Funktionen zu finden sind. Hier wären ein FAQ oder ein kleines Handbuch sicherlich hilfreich. Hat man diese kleine Hürde aber erst einmal überwunden, ist „Meine Klassenmappe“ ein grandioser Verbündeter im Lehreralltag.

Der geringe Preis von 5,99€ überrascht, verlangen die meisten Mitbewerber doch um die 20 Euro. Zudem freuen wir uns, dass für den Sommer 2016 eine neue, komplett überarbeitete App angekündigt wurde und sind gerne bereit abermals Geld in dieses schöne Projekt zu investieren.
 

 
 

 

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